Die Minipille: Verhütung ohne Östrogen
Die Minipille enthält nur ein Gestagen und kein Östrogen. In Österreich sind Minipillen mit Desogestrel und mit Drospirenon zugelassen, alle rezeptpflichtig. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie viele Stunden eine Tablette zu spät genommen werden darf. Diese Seite fasst Wirkung, Einnahme, Blutungsmuster und Gegenanzeigen nach den Fachinformationen zusammen.
Was die Minipille von der Kombinationspille unterscheidet
Die Minipille enthält ausschließlich ein Gestagen. Laut gesundheit.gv.at kann sie von Frauen eingenommen werden, die aus gesundheitlichen Gründen keine Östrogene verwenden, und sie kommt auch in der Stillzeit zum Einsatz. Die Fachinformation von Cerazette formuliert es so: Frauen, die keine Östrogene einnehmen wollen oder dürfen, können sie anwenden. Eingenommen wird sie jeden Tag ohne Pause, auch während einer Blutung; die nächste Packung beginnt am Tag nach der letzten Tablette.
Bei den heute in Österreich eingetragenen Präparaten beruht die Wirkung in erster Linie auf der Hemmung des Eisprungs, zusätzlich wird der Schleim im Gebärmutterhals zäher. So beschreiben es die Fachinformationen von Cerazette mit Desogestrel und von Lyzbet mit Drospirenon. Herkömmliche, niedriger dosierte Gestagenpillen hemmen den Eisprung weniger zuverlässig und wirken vor allem über den Schleim und die Gebärmutterschleimhaut.
Welche Minipillen es in Österreich gibt
Im Arzneispezialitätenregister des BASG sind Minipillen mit zwei Wirkstoffen eingetragen, alle rezeptpflichtig. Eine Minipille mit Levonorgestrel als einzigem Wirkstoff, für die gesundheit.gv.at ein Zeitfenster von nur drei Stunden nennt, ist dort derzeit nicht als Tablette eingetragen; Levonorgestrel allein gibt es in Österreich als Hormonspirale und als Pille danach.
Zu zwei Präparaten gibt es eigene Seiten: Moniq Gynial mono mit Desogestrel und Lyzbet mit Drospirenon.
| Wirkstoff | Präparate im Register (Auswahl) | Packung | Erlaubte Verspätung laut Fachinformation |
|---|---|---|---|
| Desogestrel 75 Mikrogramm | Cerazette, Moniq Gynial mono, Desirett, Grystella, Tangolita, Cycle ratiopharm | 28 wirkstoffhaltige Tabletten je Blister, ohne Pause | weniger als 12 Stunden |
| Drospirenon 4 mg | Lyzbet | 24 wirkstoffhaltige und 4 wirkstofffreie Tabletten, ohne Pause zwischen den Packungen | weniger als 24 Stunden |
Einnahme und Beginn
Die erste Tablette nehmen Sie am ersten Tag der Regelblutung; zusätzlichen Schutz verlangen die Fachinformationen dann nicht. Cerazette erlaubt auch einen Beginn an Tag 2 bis 5, dann mit einer zusätzlichen Methode in den ersten sieben Tagen. Danach folgt jeden Tag eine Tablette etwa zur gleichen Uhrzeit, sodass zwischen zwei Tabletten rund 24 Stunden liegen. Die Einnahme läuft auch während Blutungen weiter.
Wer von einer Kombinationspille umsteigt, beginnt laut den Fachinformationen von Cerazette und Lyzbet am besten am Tag nach der letzten wirkstoffhaltigen Tablette; dann braucht es keinen zusätzlichen Schutz. Wird erst nach der üblichen Pause begonnen, empfehlen beide sieben Tage lang zusätzlich eine Barrieremethode. Nach einer Geburt nennen beide einen Beginn zwischen Tag 21 und Tag 28. Bei einem späteren Beginn sehen beide in der ersten Woche zusätzlichen Schutz vor; Lyzbet verlangt dann außerdem, eine Schwangerschaft auszuschließen, Cerazette, wenn es bereits Geschlechtsverkehr gab.
Minipille vergessen: zwei unterschiedliche Zeitfenster
Desogestrel, etwa Cerazette oder Moniq Gynial mono: Bemerken Sie die vergessene Tablette weniger als 12 Stunden nach der üblichen Zeit, nehmen Sie sie gleich und die nächste zur gewohnten Zeit; der Schutz bleibt bestehen. Ist die Einnahme mehr als 12 Stunden verspätet, nehmen Sie laut Gebrauchsinformation von Cerazette die zuletzt vergessene Tablette gleich ein, die folgenden wieder zur gewohnten Zeit, und verhüten sieben Tage lang zusätzlich, zum Beispiel mit Kondom. Die Fachinformation hält fest, dass die Zuverlässigkeit sinken kann, wenn mehr als 36 Stunden zwischen zwei Tabletten liegen. Wurden in der ersten Woche nach dem allerersten Beginn Tabletten vergessen und gab es in der Woche davor Geschlechtsverkehr, ist eine Schwangerschaft möglich.
Drospirenon, also Lyzbet: Eine Verspätung von weniger als 24 Stunden mindert den Schutz nicht. Bei mehr als 24 Stunden nehmen Sie die zuletzt vergessene wirkstoffhaltige Tablette so bald wie möglich, auch wenn das zwei Tabletten an einem Tag bedeutet, und verwenden sieben Tage lang zusätzlich ein Kondom. Fällt die Verspätung in die dritte Einnahmewoche, lassen Sie die wirkstofffreien Tabletten weg und beginnen direkt die nächste Packung. Vergessene wirkstofffreie Tabletten spielen keine Rolle; werfen Sie sie weg, damit sich das hormonfreie Intervall nicht verlängert.
Erbrechen in den ersten drei bis vier Stunden nach der Einnahme behandeln Sie bei Desogestrel wie eine vergessene Tablette; bei Lyzbet nehmen Sie so bald wie möglich eine Ersatztablette, möglichst nicht später als 24 Stunden nach der gewohnten Zeit. Alle Präparatetypen im Vergleich finden Sie unter Pille vergessen.
Blutungen und andere Nebenwirkungen
Typisch für die Minipille ist ein unregelmäßiges Blutungsmuster. Laut Fachinformation von Cerazette hatten in Studien bis zu 50 Prozent der Anwenderinnen unregelmäßige Blutungen: Bei 20 bis 30 Prozent wurden sie häufiger, bei weiteren etwa 20 Prozent seltener, oder sie blieben ganz aus. Blutungen können auch länger dauern. Nach einigen Monaten werden sie tendenziell seltener; ein Blutungskalender hilft, das eigene Muster einzuordnen.
Bei Lyzbet sind Blutungsunregelmäßigkeiten ebenfalls die häufigste Nebenwirkung. In einer Studie kam es in den vier wirkstofffreien Tagen im ersten Zyklus bei weniger als 40 Prozent der Frauen zu einer Blutung, nach neun Monaten bei weniger als 20 Prozent. In einer Langzeitstudie mit Drospirenon wurden am häufigsten Akne (3,8 Prozent), Zwischenblutungen (2,9 Prozent), Kopfschmerzen (2,7 Prozent) und Brustschmerzen (2,2 Prozent) berichtet.
Als häufig nennen beide Fachinformationen außerdem Stimmungsschwankungen, verminderte Libido, Übelkeit und Gewichtszunahme, Cerazette zusätzlich depressive Stimmung. Bei Stimmungsveränderungen raten die Fachinformationen, sich an einen Arzt zu wenden. Bleibt die Blutung aus oder treten Unterbauchschmerzen auf, ist laut beiden Fachinformationen auch an eine Eileiterschwangerschaft zu denken, obwohl die Präparate den Eisprung hemmen.
Für wen die Minipille infrage kommt
Die Minipille ist eine Option, wenn Östrogen nicht passt. Das betrifft etwa stillende Frauen: Cerazette und Lyzbet dürfen laut ihren Fachinformationen in der Stillzeit angewendet werden. Laut gesundheit.gv.at ist die Kombinationspille auch für Raucherinnen problematisch, und als Alternative bei einer Gegenanzeige gegen Östrogen nennt das Portal östrogenfreie Präparate wie die Minipille. Ob sie im Einzelfall passt, ist eine ärztliche Entscheidung; die Fachinformation von Lyzbet verbindet das Herz-Kreislauf-Risiko unter Gestagenpillen vor allem mit Alter, Bluthochdruck und Rauchen.
Nicht angewendet werden darf die Minipille laut Fachinformationen bei einer aktiven Thrombose, bei einer schweren Lebererkrankung, solange sich die Werte nicht normalisiert haben, bei hormonabhängigen bösartigen Tumoren und bei ungeklärten Blutungen aus der Scheide; für Lyzbet kommen schwere Nierenfunktionsstörungen hinzu. Drospirenon wirkt kaliumsparend, deshalb empfiehlt die Fachinformation von Lyzbet bei eingeschränkter Nierenfunktion, früher behandelten hohen Kaliumwerten oder kaliumsparenden Medikamenten im ersten Zyklus eine Kontrolle des Kaliumwerts. Einige Studien deuten auf ein möglicherweise leicht erhöhtes Thromboserisiko auch unter Gestagenpillen hin; statistisch gesichert ist es nicht.
Wie zuverlässig die Minipille ist
Das Gesundheitsportal gesundheit.gv.at gibt als grobe Orientierung an: ohne Anwendungsfehler weniger als eine Schwangerschaft pro 100 Frauen im ersten Jahr, mit Anwendungsfehlern bis zu sieben. In einer Vergleichsstudie lag der Pearl-Index von Cerazette bei 0,4, der einer Gestagenpille mit 30 Mikrogramm Levonorgestrel bei 1,6; die Studie ließ höchstens drei Stunden Verspätung zu. Für Lyzbet ergaben zwei europäische Studien zusammen einen Pearl-Index von 0,73, eine US-amerikanische Studie 4,0. Die Werte stammen aus unterschiedlichen Studien, lassen sich nur eingeschränkt vergleichen und sind kein Versprechen für den Einzelfall.
Den Schutz schwächen können vergessene Tabletten, Erbrechen oder schwerer Durchfall sowie Arzneimittel, die Leberenzyme anregen, etwa Carbamazepin, Phenytoin oder Rifampicin, möglicherweise auch Johanniskraut. Laut Fachinformation von Cerazette braucht es dann zusätzlich eine mechanische Methode, bis 28 Tage nach dem Ende der Behandlung; bei längerer Therapie ist eine andere Verhütung zu erwägen. Vor Reisen mit Zeitverschiebung empfiehlt gesundheit.gv.at, die Einnahme vorher ärztlich zu besprechen.
Rezept für die Minipille online anfragen
Für eine Minipille, die Sie schon nehmen, ist die Folgeverordnung der einfachste Fall. Auch ein Beginn oder der Umstieg von einer Kombinationspille ist möglich; ob eine Verordnung infrage kommt, entscheidet der Arzt im Einzelfall anhand Ihrer Angaben. Sie geben das gewünschte Präparat und Ihre Vorgeschichte an und bezahlen das Honorar online. Die Beurteilung übernimmt lek. Damian Wojno (Approbation Nr. 3211301). Video, Telefonat oder Chat gibt es nicht. Fehlt etwas, wird es über die Plattform nachgefordert, oder der Arzt empfiehlt eine Untersuchung in einer Ordination; einen Anspruch auf ein Rezept gibt es nicht.
Hält der Arzt die Verordnung für vertretbar, bekommen Sie ein Privatrezept als PDF zugeschickt. In Österreich wird es wie ein Privatrezept behandelt: Die Packung bezahlen Sie selbst, und ob die Apotheke das Rezept einlöst, entscheidet die Apothekerin oder der Apotheker. Legen Sie es spätestens einen Monat nach dem Ausstellungsdatum vor. Arzneimittel versenden wir nicht.
Ist die Minipille genauso sicher wie die Pille?
Laut Fachinformation ist der Pearl-Index von Cerazette mit dem vergleichbar, der früher für Kombinationspillen gezeigt wurde. Für die Minipille nennt gesundheit.gv.at als grobe Orientierung: bei richtiger Anwendung weniger als eine Schwangerschaft pro 100 Frauen im ersten Jahr, mit Anwendungsfehlern bis zu sieben. Entscheidend ist das Zeitfenster: weniger als 12 Stunden Verspätung bei Desogestrel, weniger als 24 Stunden bei Lyzbet.
Darf ich die Minipille in der Stillzeit nehmen?
Ja. Cerazette und Lyzbet dürfen laut ihren Fachinformationen in der Stillzeit angewendet werden; bei Lyzbet erhält das Kind weniger als 1 Prozent der mütterlichen Dosis. Als Beginn nach der Geburt nennen beide Tag 21 bis 28; ab wann es in Ihrem Fall sinnvoll ist, klären Sie ärztlich.
Warum habe ich mit der Minipille keine Periode?
Ein Ausbleiben der Blutung ist unter der Minipille nicht ungewöhnlich: Laut Fachinformation von Cerazette bluten etwa 20 Prozent der Anwenderinnen seltener oder gar nicht. Was zu tun ist, hängt davon ab, ob Sie die Tabletten regelmäßig genommen haben. Gab es Einnahmefehler, ist ein Schwangerschaftstest sinnvoll, bei Unterbauchschmerzen eine ärztliche Abklärung.
Kann ich mit der Minipille meine Periode verschieben?
Nicht wie bei der Kombinationspille, denn es gibt keine Pause, die man auslassen könnte. Die Fachinformationen von Cerazette und Lyzbet beschreiben kein Verfahren zum Verschieben, das Blutungsmuster ist ohnehin unregelmäßig. Wie das Verschieben mit Kombinationspille oder Ring funktioniert, steht unter Periode verschieben.
Macht die Minipille dick?
Gewichtszunahme steht in den Fachinformationen von Cerazette und Lyzbet unter den häufigen Nebenwirkungen, also bei mindestens 1 von 100 Anwenderinnen. Das heißt nicht, dass jede Frau zunimmt. Verändert sich Ihr Gewicht deutlich, sprechen Sie das bei der nächsten Verordnung an.
Wie schnell bin ich nach dem Absetzen der Minipille wieder fruchtbar?
In einer Studie setzte der Eisprung nach zwei Einnahmezyklen mit Cerazette im Durchschnitt 17 Tage nach dem Absetzen wieder ein, in einem Bereich von 7 bis 30 Tagen. Laut Gebrauchsinformation sind Sie ab dem Tag, an dem Sie aufhören, nicht mehr geschützt.
Gibt es die Minipille ohne Rezept?
Nein. Alle Minipillen sind im Arzneispezialitätenregister des BASG als rezeptpflichtig eingetragen.
- Fachinformation Cerazette 75 Mikrogramm Filmtabletten (BASG, Abschnitte 4.2 bis 4.8 und 5.1)
- Gebrauchsinformation Cerazette 75 Mikrogramm Filmtabletten (BASG, Abschnitt 3)
- Fachinformation Lyzbet 4 mg Filmtabletten (BASG, Abschnitte 4.2 bis 4.8 und 5.1)
- gesundheit.gv.at: Die Minipille
- gesundheit.gv.at: Hormonelle Verhütung und Gesundheit
- Arzneispezialitätenregister des BASG (Suche nach Desogestrel, Drospirenon, Levonorgestrel)