Qlaira: Mehrphasenpille mit Estradiolvalerat und Dienogest

Qlaira ist eine rezeptpflichtige Mehrphasenpille: Statt Ethinylestradiol enthält sie Estradiolvalerat, eine Esterform des körpereigenen Östrogens Estradiol, kombiniert mit dem Gestagen Dienogest. Die 28 Tabletten einer Packung haben fünf Farben und unterschiedliche Hormonmengen, die zwei weißen enthalten keinen Wirkstoff; eingenommen wird ohne Pause. Zugelassen ist Qlaira zur Verhütung und zur Behandlung starker Regelblutungen ohne organische Ursache.

Fünf Farben, vier Hormonstufen: der Aufbau einer Packung

Jede Packung Qlaira enthält 28 Filmtabletten, die in genau der aufgedruckten Reihenfolge eingenommen werden. Das Schema senkt die Östrogenmenge schrittweise und erhöht die Gestagenmenge; pharmakologisch ordnet die Fachinformation Qlaira den Sequenzialpräparaten zu. Am Ende stehen zwei wirkstofffreie Tabletten, danach folgt am nächsten Tag die neue Packung. Die Abbruchblutung setzt meist während der letzten Tabletten einer Packung ein, bei manchen Frauen erst, wenn schon die ersten Tabletten der neuen Packung eingenommen wurden. Alle Tabletten enthalten Lactose als Hilfsstoff.

TageFarbeInhalt pro Tablette
1 bis 2dunkelgelb3 mg Estradiolvalerat
3 bis 7mittelrot2 mg Estradiolvalerat und 2 mg Dienogest
8 bis 24hellgelb2 mg Estradiolvalerat und 3 mg Dienogest
25 bis 26dunkelrot1 mg Estradiolvalerat
27 bis 28weißkein Wirkstoff (Placebo)

Estradiolvalerat statt Ethinylestradiol

Das Östrogen in Qlaira ist Estradiolvalerat, ein Ester des körpereigenen 17ß-Estradiols; 1 mg entspricht 0,76 mg Estradiol. Von Ethinylestradiol, das in anderen Kombinationspillen verwendet wird, unterscheidet es sich chemisch durch die fehlende Ethinylgruppe. Das Gestagen Dienogest ist dasselbe wie in Larissa Gynial. Verhütet wird, indem der Eisprung gehemmt und der Schleim im Gebärmutterhals sowie die Gebärmutterschleimhaut verändert werden. In einer Studie über drei Zyklen war bei der Mehrheit der Frauen die Reifung der Eibläschen unterdrückt; nach dem Absetzen kehrte die Eierstockaktivität im folgenden Zyklus auf das Ausgangsniveau zurück.

In den Studien in der EU und in Nordamerika lag der Pearl-Index für Frauen zwischen 18 und 50 Jahren bei 0,42, wenn nur Methodenversagen gezählt wurde, und bei 0,79 einschließlich Anwendungsfehlern; bei den 18- bis 35-Jährigen waren es 0,51 und 1,01. Die Warnhinweise der Fachinformation stützen sich laut eigener Angabe hauptsächlich auf Daten zu Pillen mit Ethinylestradiol. Ein Unterschied zeigt sich bei bestimmten Hepatitis-C-Kombinationen: Für Pillen mit Ethinylestradiol sind sie kontraindiziert, für Qlaira mahnt die Fachinformation wegen begrenzter Daten zur Vorsicht.

Zweites Anwendungsgebiet: starke Regelblutungen

Außer zur Verhütung ist Qlaira zur Behandlung starker Menstruationsblutungen zugelassen, und zwar bei Frauen ohne organische Erkrankung, die mit der Pille verhüten möchten. In zwei Studien mit 269 Frauen unter Qlaira und 152 unter Placebo sank der mittlere Blutverlust pro Regel nach sechs Monaten um 88 Prozent, von 142 auf 17 Milliliter, unter Placebo um 24 Prozent, von 154 auf 117 Milliliter. Ganz frei von den Beschwerden waren nach sechs Monaten 29 Prozent der Frauen unter Qlaira und 2 Prozent unter Placebo.

Weil starke Blutungen auch eine organische Ursache haben können, setzt diese Anwendung voraus, dass eine solche Erkrankung ausgeschlossen ist. Das gehört in eine gynäkologische Ordination und lässt sich über einen Fragebogen nicht klären.

Vergessene Tabletten: es kommt auf den Tag an

Bei Qlaira gilt ein eigenes Schema, weil die Tabletten unterschiedlich viel Hormon enthalten. Wird eine wirkstoffhaltige Tablette weniger als 12 Stunden zu spät bemerkt, holen Sie sie nach und nehmen die nächste zur gewohnten Zeit; der Schutz ist dann nicht eingeschränkt. Bei mehr als 12 Stunden entscheidet der Tag in der Packung. Zusätzliche Verhütung bedeutet hier neun Tage, nicht sieben wie bei vielen Einphasenpillen, und an einem Tag sollen nie mehr als zwei Tabletten eingenommen werden. Wurde der Beginn einer neuen Packung oder eine Tablette an den Tagen 3 bis 9 vergessen und gab es in den sieben Tagen davor Geschlechtsverkehr, ist eine Schwangerschaft möglich.

Erbrechen Sie innerhalb von drei bis vier Stunden nach einer wirkstoffhaltigen Tablette, wird die nächste Tablette so bald wie möglich eingenommen, möglichst bis 12 Stunden nach der gewohnten Zeit; wer den Rhythmus behalten möchte, nimmt sie aus einer anderen Packung. Grundsätzliches dazu im Ratgeber Pille vergessen. Bei mehr als 12 Stunden Verspätung sieht die Fachinformation vor:

Tag in der PackungVorgehen laut Fachinformation
1 bis 17Vergessene Tablette gleich einnehmen, die nächste zur gewohnten Zeit, auch wenn es dann zwei an einem Tag sind; weiter täglich eine Tablette und 9 Tage zusätzlich verhüten
18 bis 24Vergessene Tablette nicht einnehmen, die angebrochene Packung verwerfen und mit der ersten Tablette einer neuen Packung beginnen; 9 Tage zusätzlich verhüten
25 bis 26Vergessene Tablette gleich einnehmen, die nächste zur gewohnten Zeit; keine zusätzliche Verhütung nötig
27 bis 28 (weiß)Vergessene Tablette verwerfen und die nächste zur gewohnten Zeit nehmen; keine zusätzliche Verhütung nötig

Start, Wechsel und Blutungsmuster

Ohne hormonelle Verhütung im Monat davor ist der erste Tag der Regelblutung der Starttag. Kommen Sie von einer anderen Kombinationspille, nehmen Sie die erste Qlaira-Tablette am Tag nach deren letzter Wirkstofftablette, nach einem Vaginalring oder Pflaster am Tag der Entfernung. Wer von einer Minipille, einer Spritze, einem Implantat oder einer Hormonspirale kommt, verhütet in den ersten neun Tagen zusätzlich mit einer Barrieremethode. Endet eine Schwangerschaft im ersten Drittel, kann die Einnahme unmittelbar danach beginnen, nach einer Geburt ist der 21. bis 28. Tag vorgesehen, und bei einem späteren Start sind ebenfalls neun Tage Zusatzschutz nötig.

Zwischenblutungen hatten in einer Vergleichsstudie je Zyklus 10 bis 18 Prozent der Frauen. In etwa 15 Prozent der Zyklen blieb die Abbruchblutung ganz aus, ohne dass eine Schwangerschaft vorlag. Wurde Qlaira korrekt eingenommen, ist eine Schwangerschaft dann unwahrscheinlich; fehlt die Blutung zwei Zyklen hintereinander oder wurden zuvor Tabletten vergessen, muss eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden, bevor es weitergeht.

Thromboserisiko und Gegenanzeigen

Begrenzte Daten deuten laut Fachinformation darauf hin, dass das Risiko einer venösen Thromboembolie unter Qlaira im gleichen Bereich liegen kann wie bei anderen Kombinationspillen, einschließlich solcher mit Levonorgestrel; dort sind es etwa 6 Fälle pro 10.000 Frauen und Jahr (Mittelwert einer Spanne von 5 bis 7), ohne Kombinationspille etwa 2. Die Fachinformation führt Qlaira dennoch nicht unter den Präparaten mit dem geringsten Risiko und sieht deshalb ein Gespräch über das persönliche Risiko vor. Am höchsten ist das Risiko im ersten Jahr der Anwendung; außerdem gibt es Hinweise, dass es nach einer Pause von vier Wochen oder länger beim Wiederbeginn erneut erhöht ist.

Raucherinnen über 35 soll dringend eine andere Methode empfohlen werden. Ausgeschlossen ist Qlaira unter anderem bei Migräne mit Aura, schwerem Bluthochdruck, Diabetes mit Gefäßschäden, einer Thrombose, einem Herzinfarkt oder Schlaganfall, jeweils auch in der Vorgeschichte, schweren Lebererkrankungen, hormonabhängigen bösartigen Tumoren, ungeklärten Blutungen und in der Schwangerschaft. Ein einseitig geschwollenes, schmerzendes Bein, plötzliche Atemnot, Brustschmerz oder plötzliche Lähmungen sind ein Fall für die Rettung unter 144; sagen Sie dort, dass Sie eine Kombinationspille nehmen.

Wechselwirkungen mit gemessenem Effekt

Für Qlaira liegen konkrete Messwerte vor. Rifampicin, ein starker Enzymanreger, senkte die Menge von Dienogest im Blut um 83 Prozent und die von Estradiol um 44 Prozent. Ähnlich wirken laut Fachinformation Barbiturate, Carbamazepin, Phenytoin, Primidon, die HIV-Mittel Ritonavir, Nevirapin und Efavirenz und möglicherweise Felbamat, Griseofulvin, Oxcarbazepin, Topiramat und Johanniskraut. Während einer kurzen Behandlung mit solchen Mitteln und noch 28 Tage danach ist eine Barrieremethode nötig, bei einer Dauerbehandlung eine nichthormonale Methode.

In die andere Richtung erhöhte Ketoconazol die Spiegel von Dienogest auf das 2,9-Fache und von Estradiol auf das 1,6-Fache, das Antibiotikum Erythromycin auf das 1,6- beziehungsweise 1,3-Fache. Dienogest wird über das Enzym CYP3A4 abgebaut, deshalb können starke Hemmstoffe dieses Enzyms die Hormonspiegel steigern. Der Spiegel von Lamotrigin kann unter Qlaira sinken.

Nebenwirkungen, Stillzeit und Altersgrenzen

Am häufigsten berichtet wurden laut Fachinformation Akne, Brustbeschwerden, Kopfschmerzen, Zwischenblutungen, Übelkeit und Gewichtszunahme. Zur Gruppe häufig, also mindestens jede hundertste und weniger als jede zehnte Frau, gehören außerdem Bauchschmerzen, Regelschmerzen und das Ausbleiben der Blutung. Gelegentlich traten unter anderem Pilzinfektionen der Scheide, gesteigerter Appetit, depressive Verstimmung, Schlaflosigkeit, Stimmungsschwankungen, verminderte Libido, Schwindel, Migräne, Hitzewallungen, Bluthochdruck, Durchfall, Erbrechen, Haarausfall und Müdigkeit auf. Stimmungsveränderungen sprechen Sie ärztlich an; Hilfe in seelischen Notlagen bietet rund um die Uhr die Telefonseelsorge unter 142.

In der Stillzeit wird Qlaira nicht empfohlen, solange nicht vollständig abgestillt ist, weil Kombinationspillen die Milchmenge verringern und geringe Hormonmengen in die Milch übergehen können. Für Jugendliche unter 18 Jahren liegen keine Daten vor, nach den Wechseljahren ist Qlaira nicht angezeigt. Velbienne enthält dieselben beiden Wirkstoffe, ist aber eine Hormonersatztherapie für Frauen nach der Menopause und nicht zur Verhütung zugelassen.

Rezept für Qlaira online anfragen

Über die Leistung Empfängnisverhütung prüft der Arzt anhand Ihres Fragebogens, ob er Qlaira verordnen kann. Am klarsten ist die Lage, wenn Sie Qlaira schon nehmen und gut vertragen. Wer die Pille wegen starker Regelblutungen nehmen möchte, sollte eine organische Ursache vorher in einer gynäkologischen Ordination ausschließen lassen; fehlt diese Abklärung, kann der Arzt eine Untersuchung in einer Ordination empfehlen. Für die Beurteilung zählen außerdem ein aktueller Blutdruckwert, ob Sie rauchen oder Migräne haben, ob in der Familie Thrombosen vorkamen und welche Medikamente Sie nehmen. Fehlende Unterlagen fordert der Arzt über die Plattform nach, und einen Anspruch auf ein Rezept gibt es nicht.

Einen Termin brauchen Sie nicht, ein Video- oder Telefongespräch gibt es nicht. Fällt die Prüfung positiv aus, geht Ihnen das Rezept als PDF per E-Mail zu. Gültig bleibt es nur, wenn Sie es binnen eines Monats nach dem Ausstellungsdatum zum ersten Mal in einer Apotheke vorlegen; ob sie es annimmt, entscheidet dort die Apothekerin oder der Apotheker, und Qlaira bezahlen Sie selbst. Mehr zum Ablauf auf der Seite Verhütung.

Medizinische Prüfung: lek. Damian Wojno, Approbation Nr. 3211301, für MEDINOW Sp. z o.o. Für Ihren konkreten Fall bleibt die ärztliche Einschätzung maßgeblich, nicht dieser Beitrag.

Was ist das Besondere an Qlaira?

Qlaira enthält Estradiolvalerat statt Ethinylestradiol und folgt einem Mehrphasenschema mit 26 wirkstoffhaltigen und 2 wirkstofffreien Tabletten ohne Pause. Zugelassen ist sie zur Verhütung und zur Behandlung starker Regelblutungen ohne organische Ursache.

Kann ich mit Qlaira die Periode verschieben?

Fach- und Gebrauchsinformation von Qlaira beschreiben kein Vorgehen zum Verschieben der Blutung, anders als bei Einphasenpillen wie Madonella. Besprechen Sie einen solchen Wunsch deshalb vorher ärztlich, statt einfach eine weitere Packung anzuhängen.

Wie lange muss ich bei Qlaira zusätzlich verhüten?

Neun Tage: nach einer an den Tagen 1 bis 24 um mehr als 12 Stunden verspäteten Tablette, beim Umstieg von einer Minipille, Spritze, einem Implantat oder einer Hormonspirale und bei einem späten Beginn nach einer Geburt. Bei vielen Einphasenpillen sind es sieben Tage.

Hilft Qlaira bei starker Regelblutung?

In den zwei Studien, die die Fachinformation beschreibt, sank der Blutverlust pro Regel nach sechs Monaten im Mittel um 88 Prozent, unter Placebo um 24 Prozent. Die Anwendung setzt voraus, dass keine organische Ursache vorliegt, und dafür braucht es eine gynäkologische Abklärung.

Bekomme ich mit Qlaira eine Blutung?

Meist ja, oft schon während der letzten Tabletten einer Packung. In etwa 15 Prozent der Zyklen blieb sie in den Studien aus, und Zwischenblutungen hatten je Zyklus 10 bis 18 Prozent der Frauen.

Darf ich Qlaira in der Stillzeit nehmen?

Nein, solange nicht vollständig abgestillt ist, wird Qlaira laut Fachinformation nicht empfohlen. Für die Stillzeit kommen östrogenfreie Methoden infrage, etwa eine Minipille.