Verhütung für den Mann: Kondom, Vasektomie und Forschung
Eine Pille für den Mann gibt es noch nicht. Selbst verhüten können Männer heute mit dem Kondom und mit einer Vasektomie, während ein Hormongel und eine hormonfreie Tablette in klinischen Studien geprüft werden. Dieser Beitrag erklärt, was die beiden heutigen Methoden leisten, wie eine Vasektomie in Österreich abläuft und was die bisher veröffentlichten Studiendaten tatsächlich zeigen.
Welche Möglichkeiten Männer heute haben
Die meisten Verhütungsmethoden setzen beim Körper der Frau an. Eigenständig verhüten können Männer laut österreichischem Gesundheitsportal auf zwei Arten: mit dem Kondom und mit einer Vasektomie. Ein zugelassenes Verhütungsmittel zum Einnehmen oder Auftragen für Männer gibt es bisher nicht; im österreichischen Arzneispezialitätenregister ist keines verzeichnet.
Der Coitus interruptus, also das Herausziehen des Penis vor dem Samenerguss, ist laut Gesundheitsportal keine Verhütungsmethode. Das Handbuch der Weltgesundheitsorganisation nennt dafür bei typischer Anwendung 20 Schwangerschaften pro 100 Frauen im ersten Jahr, bei Kondomen sind es 13, nach einer Vasektomie 0,15.
Das Kondom: einzige Methode mit Infektionsschutz
Das Kondom ist ohne Rezept in Apotheken, Drogeriemärkten und Supermärkten erhältlich und neben dem Frauenkondom das einzige Verhütungsmittel, das auch vor sexuell übertragbaren Infektionen schützen kann. Seine Schwäche liegt in der Anwendung: Wird es richtig und bei jedem Mal verwendet, kommt es laut Gesundheitsportal im ersten Jahr zu etwa 2 Schwangerschaften pro 100 Frauen, bei typischer Anwendung mit Fehlern zu etwa 13.
Die häufigsten Fehler lassen sich vermeiden. Die Größe richtet sich nach der Breite, also dem halben Umfang des erigierten Penis, nicht nach der Länge; ein zu enges Kondom kann reißen, ein zu weites abrutschen. Abgelaufene oder in der Geldbörse gelagerte Kondome sind unsicher, und fett- oder ölhaltige Mittel wie Vaseline machen Latex durchlässig. Das Kondom gehört vor dem ersten Kontakt abgerollt, und nach dem Samenerguss wird der Penis noch vor dem Nachlassen der Erektion zurückgezogen, wobei das Kondom am Ansatz festgehalten wird. Reißt es trotzdem, kann die Partnerin eine Notfallverhütung nutzen; Fristen und Ablauf beschreibt die Seite Pille danach. Einen Vergleich aller hormonfreien Methoden bietet der Ratgeber Verhütung ohne Hormone.
Vasektomie: wie der Eingriff in Österreich abläuft
Bei einer Vasektomie werden die beiden Samenleiter durchtrennt oder verschlossen, sodass keine Spermien mehr ins Ejakulat gelangen. Den Eingriff nimmt eine Urologin oder ein Urologe vor, meist ambulant in örtlicher Betäubung über einen Zugang am Hodensack. Rechtlich ist eine Sterilisation nach § 90 Absatz 2 Strafgesetzbuch nicht rechtswidrig, wenn ein Arzt sie mit Einwilligung vornimmt und die Person das 25. Lebensjahr vollendet hat oder der Eingriff aus anderen Gründen nicht gegen die guten Sitten verstößt. Vorher steht ein Beratungsgespräch über Ablauf, Risiken und andere Verhütungsmöglichkeiten.
Direkt nach dem Eingriff besteht noch kein Schutz. Etwa drei Monate lang wird zusätzlich verhütet, weil sich noch Spermien in den Samenleitern befinden können; ein Spermiogramm zeigt, ob das Ejakulat spermienfrei ist. Danach zählt die Vasektomie zu den sichersten Methoden: Laut Gesundheitsportal kommt es bei den Partnerinnen sterilisierter Männer zu weniger als zwei Schwangerschaften pro 1.000 Frauen im ersten Jahr. Weil Samenleiter durchlässig bleiben oder wieder zusammenwachsen können, gehören Kontrollen des Spermiogramms einige Zeit nach dem Eingriff dazu.
Das Risiko für Komplikationen ist gering; möglich sind Blutungen, Blutergüsse, Wundinfektionen, Schmerzen und ein meist schmerzloser Knoten aus Spermien, ein sogenanntes Spermagranulom. Hormonproduktion und Orgasmusfähigkeit bleiben erhalten, eine Vasektomie ist keine Kastration. Rückgängig machen lässt sie sich nur mit einem mikrochirurgischen Eingriff, der Refertilisierung, die nicht immer gelingt; auch danach tritt nicht in jedem Fall eine Schwangerschaft ein. Laut Gesundheitsportal ist mit Kosten für die Vasektomie zu rechnen, für eine Refertilisierung fallen gesondert Kosten an. Die Entscheidung sollte deshalb gut überlegt sein und nicht unter Druck fallen.
Stand der Forschung: ein Hormongel für den Mann
Am weitesten fortgeschritten ist ein Gel, das zwei Hormone kombiniert: Segesteronacetat, ein Gestagen, das unter dem Namen Nestorone entwickelt wurde, und Testosteron. Gemeinsam unterdrücken die beiden Hormone die Spermienbildung; das Gestagen verkürzt laut den Forschenden die Zeit bis dahin im Vergleich zu Testosteron allein, und das Testosteron hält den Spiegel im Blut im normalen Bereich, damit die Sexualfunktion und andere vom Testosteron abhängige Funktionen erhalten bleiben. Die Männer tragen das Gel einmal täglich auf beide Schulterblätter auf.
Geprüft wurde es in einer internationalen Phase-2b-Studie, an der das US-amerikanische National Institute of Child Health and Human Development und der Population Council beteiligt sind. Zwischenergebnisse wurden im Juni 2024 auf dem Kongress der Endocrine Society vorgestellt: Von 222 Männern, die das Gel anwendeten und frühestens drei Wochen nach Behandlungsbeginn eine Spermienuntersuchung hatten, erreichten 192, also 86 Prozent, während der Behandlung eine Spermienzahl von höchstens einer Million pro Milliliter, das Ziel für eine wirksame Verhütung. Bei ihnen dauerte das im Median acht Wochen. Nach Angaben der Forschenden ist das schneller als in früheren Studien mit Hormonspritzen, in denen es im Schnitt zwölf Wochen oder länger dauerte.
Laut dem Studienregister ClinicalTrials.gov wurde die Studie, in die Paare aufgenommen wurden, im September 2024 abgeschlossen; das Register nennt 420 Eingeschriebene. Ergebnisse zur tatsächlichen Verhütungswirkung, zur Sicherheit und zur Rückkehr der Fruchtbarkeit nach dem Absetzen sind dort bisher nicht veröffentlicht. Ob und wann daraus ein zugelassenes Präparat wird, lässt sich aus diesen Daten nicht ableiten.
Stand der Forschung: eine Tablette ohne Hormone
Einen anderen Weg geht der Wirkstoff YCT-529. Er hemmt in den Hoden einen Rezeptor für Retinsäure, ein Stoffwechselprodukt von Vitamin A, das für die Entwicklung der Samenzellen nötig ist. So soll die Spermienzahl sinken, ohne dass in den Hormonhaushalt eingegriffen wird. In Tierversuchen an Mäusen und nichtmenschlichen Primaten erholte sich die Spermienbildung nach dem Absetzen laut den Entwicklern vollständig.
Die erste Studie am Menschen erschien im Juli 2025 in der Fachzeitschrift Communications Medicine und war eine reine Verträglichkeitsstudie: 16 gesunde, bereits vasektomierte Männer erhielten einzelne Dosen des Wirkstoffs oder ein Placebo. Dabei zeigten sich keine Auswirkungen auf Herzfrequenz, Hormonwerte wie Testosteron, Entzündungswerte, sexuelles Verlangen oder Stimmung. Bei einem Teilnehmer wurden im Langzeit-EKG vorübergehende, beschwerdefreie Herzrhythmusstörungen festgestellt, die als möglicherweise mit dem Wirkstoff zusammenhängend eingestuft wurden und ohne Behandlung abklangen. Die Spermienzahl wurde in dieser Studie nicht gemessen; eine Aussage über die Verhütungswirkung beim Menschen ist damit noch nicht möglich. Die Autoren nennen eine zweite Studie, in der Männer die Tablette über 28 und 90 Tage einnehmen und in der auch die Spermienwerte untersucht werden; Ergebnisse dazu sind im Studienregister ClinicalTrials.gov bisher nicht veröffentlicht.
Dass solche Wirkstoffe langsam vorankommen, hat Gründe. Die Autoren erinnern an frühere hormonfreie Kandidaten aus den 1950er- und 1980er-Jahren, die wegen Nebenwirkungen aufgegeben wurden: Eine Substanzgruppe vertrug sich nicht mit Alkohol, ein anderer Wirkstoff konnte den Kaliumspiegel senken. Ein Verhütungsmittel für gesunde Menschen muss deshalb besonders gründlich auf seine Sicherheit geprüft werden.
Ausblick: was das für Paare heute bedeutet
Termine für eine Zulassung lassen sich aus den veröffentlichten Daten nicht ableiten. Bis ein Präparat zugelassen ist, bleiben Kondom und Vasektomie die einzigen Methoden, mit denen Männer selbst verhüten können. Ein Verhütungsmittel für Männer auf Rezept gibt es daher derzeit nicht, auch nicht über eine Online-Verordnung.
Paare, die die Verantwortung teilen wollen, können Methoden kombinieren, etwa eine Methode der Frau mit dem Kondom als zusätzlichem Schutz vor Infektionen. Beratung zur Verhütung bieten urologische und gynäkologische Ordinationen sowie Familienberatungsstellen; zur Vasektomie informiert die Urologin oder der Urologe.
Medizinische Prüfung: lek. Damian Wojno, Approbation Nr. 3211301, für MEDINOW Sp. z o.o. Für Ihren konkreten Fall bleibt die ärztliche Einschätzung maßgeblich, nicht dieser Beitrag.
Gibt es die Pille für den Mann schon?
Nein. Ein zugelassenes Verhütungsmittel zum Einnehmen oder Auftragen für Männer gibt es bisher nicht, auch im österreichischen Arzneispezialitätenregister ist keines verzeichnet. Ein Hormongel und eine hormonfreie Tablette werden in Studien geprüft.
Wie sicher ist eine Vasektomie?
Sehr sicher, sobald ein Spermiogramm gezeigt hat, dass keine Spermien mehr im Ejakulat sind. Laut Gesundheitsportal kommt es bei den Partnerinnen sterilisierter Männer zu weniger als zwei Schwangerschaften pro 1.000 Frauen im ersten Jahr.
Ab wann ist man nach einer Vasektomie unfruchtbar?
Nicht gleich nach dem Eingriff. Etwa drei Monate lang können noch Spermien in den Samenleitern sein, deshalb wird in dieser Zeit zusätzlich verhütet. Erst ein Spermiogramm zeigt, ob das Ejakulat spermienfrei ist.
Verändert eine Vasektomie die Lust oder den Orgasmus?
Laut Gesundheitsportal bleiben die Hormonproduktion in den Hoden und die Fähigkeit zum Orgasmus nach einer Sterilisation erhalten. Die Hoden werden dabei nicht entfernt; eine Vasektomie ist keine Kastration.
Kann man eine Vasektomie rückgängig machen?
Versucht werden kann es mit einer Refertilisierung, bei der die Samenleiter mikrochirurgisch wieder verbunden werden. Sie gelingt nicht immer, und auch nach Erfolg tritt nicht in jedem Fall eine Schwangerschaft ein. Unter Umständen kann eine künstliche Befruchtung eine Alternative sein.
Ab welchem Alter ist eine Vasektomie in Österreich möglich?
Nach § 90 Absatz 2 Strafgesetzbuch ist eine Sterilisation durch einen Arzt mit Einwilligung nicht rechtswidrig, wenn die Person das 25. Lebensjahr vollendet hat oder der Eingriff aus anderen Gründen nicht gegen die guten Sitten verstößt.
Wie funktioniert das Verhütungsgel für Männer?
Das Gel kombiniert das Gestagen Segesteronacetat mit Testosteron. Zusammen unterdrücken sie die Spermienbildung, während der Testosteronspiegel im normalen Bereich bleibt. Es wird einmal täglich auf die Schulterblätter aufgetragen, bisher nur in klinischen Studien; zugelassen ist es nicht.
- Sterilisation des Mannes (Vasektomie), Gesundheitsportal gesundheit.gv.at
- Das Kondom, Gesundheitsportal gesundheit.gv.at
- Strafgesetzbuch § 90 (Einwilligung des Verletzten, Absatz 2: Sterilisation), RIS
- Gross D et al.: Time to Sperm Suppression With Daily Transdermal Use of Nestorone and Testosterone Combination Gel for Male Contraception, Kongressbeitrag OR24-01 (ENDO 2024). J Endocr Soc 8, Suppl. 1 (2024), englisch
- ClinicalTrials.gov, Studie NCT03452111: Nestorone- und Testosteron-Gel zur Verhütung beim Mann (Status und Teilnehmerzahl)
- Mannowetz N et al.: Safety and pharmacokinetics of the non-hormonal male contraceptive YCT-529. Communications Medicine 5, 279 (2025)