Valaciclovir bei Lippen- und Genitalherpes

Valaciclovir ist eine Vorstufe von Aciclovir und wirkt gegen Herpesviren an Lippen und im Genitalbereich. Diese Seite zeigt die Dosierungsschemata laut österreichischer Fachinformation, vom 1-Tages-Schema bei Lippenherpes bis zur vorbeugenden Dauertherapie, dazu Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und den Unterschied zu Aciclovir. Alle Präparate mit Valaciclovir sind in Österreich rezeptpflichtig.

Wie Valaciclovir wirkt und wofür es zugelassen ist

Valaciclovir ist der L-Valin-Ester von Aciclovir. Nach dem Schlucken wird es rasch und fast vollständig in Aciclovir umgewandelt, das die Vermehrung von Herpesviren hemmt. Den ersten Aktivierungsschritt übernimmt ein Enzym, das nur in virusinfizierten Zellen vorkommt; das erklärt die gezielte Wirkung. Aus dem Körper entfernen lässt sich das Virus damit nicht: Herpes-simplex-Viren bleiben laut Gesundheitsportal nach der ersten Ansteckung lebenslang im Nervensystem und können immer wieder aktiv werden.

Der praktische Unterschied liegt in der Aufnahme. Die Bioverfügbarkeit von Aciclovir ist nach Valaciclovir laut Fachinformation etwa 3,3- bis 5,5-mal höher als nach Aciclovir-Tabletten und wird durch Essen nicht verringert. Deshalb kommt Valaciclovir mit weniger Einnahmen pro Tag aus.

Zugelassen ist Valaciclovir unter anderem zur Behandlung von Herpes-simplex-Infektionen an Haut und Schleimhäuten, ausdrücklich auch des ersten und des wiederkehrenden Genitalherpes, zur Unterdrückung wiederkehrender Ausbrüche und bei wiederkehrendem Herpes am Auge; für Herpes simplex gelten die Dosierungen ab 12 Jahren. Weitere Anwendungsgebiete sind die Gürtelrose und die Vorbeugung einer Zytomegalie-Infektion nach einer Organtransplantation; diese gehören in fachärztliche Hand und sind nicht Thema dieser Seite.

Das 1-Tages-Schema bei Lippenherpes

Für Lippenherpes sieht die Fachinformation ein eigenes Kurzschema vor: zweimal 2000 mg an einem einzigen Tag. Die zweite Dosis wird etwa zwölf Stunden nach der ersten eingenommen, keinesfalls früher als sechs Stunden danach. Länger als einen Tag wird nach diesem Schema nicht behandelt, weil eine längere Einnahme keinen zusätzlichen klinischen Nutzen gezeigt hat.

Entscheidend ist der Zeitpunkt: Begonnen wird bei den ersten Anzeichen wie Kribbeln, Jucken oder Brennen, also bevor die Bläschen sichtbar sind. Laut Gesundheitsportal wirkt die Behandlung später womöglich nicht mehr, weil sich die Viren dann schon zu weit entlang der Nervenfasern ausgebreitet haben; wer zu Fieberblasen neigt, sollte das Medikament daher rasch verfügbar haben.

Bei gelegentlichen, milden Fieberblasen ist laut Gesundheitsportal in der Regel keine ärztliche Behandlung nötig: Sie heilen meist innerhalb von ein bis zwei Wochen von selbst ab. Präparate zum Auftragen, die es je nach Präparat auch ohne Rezept gibt, wirken am besten, wenn sie schon bei den ersten Anzeichen angewendet werden. Tabletten kommen vor allem bei häufigen oder sehr schmerzhaften Ausbrüchen und bei einer Immunschwäche infrage. Mehr dazu im Ratgeber Lippenherpes.

Genitalherpes: erster Ausbruch und Rückfälle

Bei Herpes-simplex-Infektionen der Haut und Schleimhäute beträgt die übliche Dosis für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren mit normaler Immunabwehr zweimal täglich 500 mg. Ein Rückfall wird drei bis fünf Tage lang behandelt, möglichst schon in der Vorphase mit Kribbeln oder beim ersten Anzeichen; laut Fachinformation lässt sich so die Entwicklung von Bläschen mitunter verhindern. Eine Erstinfektion kann schwerer verlaufen; dann kann laut Fachinformation eine Behandlung über bis zu zehn Tage nötig sein.

Der erste Ausbruch eines Genitalherpes gehört in eine ärztliche Untersuchung. Die Diagnose wird laut Gesundheitsportal mit einem Abstrich gesichert, der am besten aus frischen, unbehandelten Bläschen gelingt. Was zu Ansteckung, Verlauf und Schwangerschaft wichtig ist, erklärt der Ratgeber Genitalherpes.

Für Erwachsene mit geschwächtem Immunsystem sieht die Fachinformation höhere Dosen und eine Mindestdauer von fünf Tagen vor; den größten Nutzen erwartet sie, wenn die Behandlung in den ersten 48 Stunden beginnt, und der Verlauf wird eng beobachtet.

SituationDosierungDauer
Lippenherpes, 1-Tages-Schema2-mal 2000 mg, zweite Dosis etwa 12 Stunden nach der ersten1 Tag
Rückfall an Haut oder Schleimhaut, etwa Genitalherpes2-mal täglich 500 mg3 bis 5 Tage
Erstinfektion2-mal täglich 500 mgbei schwerem Verlauf bis zu 10 Tage
Vorbeugende Dauertherapie1-mal täglich 500 mg, bei 10 oder mehr Rückfällen pro Jahr eventuell 2-mal täglich 250 mgNeubeurteilung nach 6 bis 12 Monaten

Vorbeugende Dauertherapie und Schutz für den Partner

Bei häufigen Rückfällen kann Valaciclovir auch dauerhaft eingenommen werden, um Ausbrüche zu unterdrücken. Die Angaben in der Tabelle oben gelten für Erwachsene und Jugendliche mit normaler Immunabwehr und Nierenfunktion. Nach sechs bis zwölf Monaten wird laut Fachinformation neu beurteilt, ob die Dauertherapie weiter nötig ist; die 500-mg-Tablette des Präparats Viropel darf laut dessen Fachinformation für die 250-mg-Dosis geteilt werden, eine eigene 250-mg-Tablette ist in Österreich laut Fachinformation von Valtrex nicht zugelassen.

Die Dauertherapie kann auch das Ansteckungsrisiko senken. In einer in der Fachinformation beschriebenen placebokontrollierten Studie mit 1484 heterosexuellen Paaren, bei denen ein Partner mit HSV-2 infiziert war, verringerte Valaciclovir in Kombination mit geschütztem Geschlechtsverkehr das Risiko einer symptomatischen HSV-2-Ansteckung im Vergleich zu Placebo um 75 Prozent, in einer Teilstudie die Virusausscheidung um 73 Prozent. Ein Restrisiko bleibt: Die Fachinformation empfiehlt zusätzlich Safer Sex und rät, bei bestehenden Beschwerden auf Geschlechtsverkehr zu verzichten, auch wenn die Behandlung bereits begonnen hat.

Valaciclovir oder Aciclovir?

Beide Wirkstoffe wirken im Körper als Aciclovir, der Unterschied liegt in der Einnahme. Aciclovir-Tabletten werden zur Behandlung laut Fachinformation von Aciclobene 200 mg fünfmal täglich im Abstand von vier Stunden eingenommen, mit einer Pause in der Nacht, üblicherweise über fünf Tage. Valaciclovir kommt bei Rückfällen mit zwei Einnahmen pro Tag aus, bei Lippenherpes sogar mit einem einzigen Behandlungstag. Für die vorbeugende Dauertherapie werden bei Aciclovir zweimal täglich 400 mg oder viermal täglich 200 mg eingenommen, bei Valaciclovir einmal täglich 500 mg.

Welche Variante passt, hängt von Häufigkeit und Verlauf der Ausbrüche, von der Nierenfunktion, der übrigen Medikation und davon ab, ob die Behandlung zuverlässig früh begonnen werden kann. Alle Präparate mit Valaciclovir sind in Österreich rezeptpflichtig, ebenso Aciclovir-Tabletten zum Schlucken und Aciclovir-Saft. Bei Präparaten zum Auftragen hängt es vom Präparat ab: Fieberblasencremes wie Aciclostad, Aciclobene ratiopharm oder Activir sind laut Arzneispezialitätenregister rezeptfrei, Zovirax 5 % Creme dagegen ist rezeptpflichtig. Fieberblasencremes sind laut Fachinformation für Fieberbläschen an den Lippen vorgesehen; auf Schleimhäuten, etwa in der Scheide, wird ihre Anwendung nicht empfohlen. Bei Genitalherpes helfen Cremes oder Salben mit virushemmenden Wirkstoffen laut Gesundheitsportal nicht. Einen Überblick über Hautbeschwerden mit und ohne Rezept gibt die Seite Haut.

Nebenwirkungen und Nierenfunktion

Sehr häufig sind laut Fachinformation Kopfschmerzen, häufig Übelkeit, Schwindel, Erbrechen, Durchfall, Hautausschläge einschließlich Lichtempfindlichkeit und Juckreiz. Gelegentlich kommen Verwirrtheit, Halluzinationen, Bauchbeschwerden, vorübergehend erhöhte Leberwerte, Nesselsucht, Nierenschmerzen oder Blut im Harn vor, selten schwere allergische Reaktionen, Krampfanfälle oder ein akutes Nierenversagen.

Aciclovir wird über die Nieren ausgeschieden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion wird die Dosis deshalb laut Fachinformation verringert, und ältere Menschen sowie Menschen mit Nierenerkrankungen haben ein höheres Risiko für neurologische Nebenwirkungen wie Verwirrtheit oder Unruhe. Achten Sie während der Behandlung auf ausreichendes Trinken, besonders im Alter.

Beschrieben ist außerdem eine schwere Arzneimittelreaktion mit Ausschlag, Fieber und Beteiligung innerer Organe, die DRESS genannt wird und lebensbedrohlich sein kann. Treten ein ausgedehnter Ausschlag mit Fieber, Atemnot, eine Schwellung im Gesicht, Verwirrtheit oder ein Krampfanfall auf, beenden Sie die Einnahme und holen Sie ärztliche Hilfe, in akuten Fällen über den Notruf 144.

Wechselwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit

Vorsicht gilt bei Arzneimitteln, die die Nieren belasten, etwa Aminoglykosiden, Methotrexat, Ciclosporin oder Tacrolimus; dann sollte die Nierenfunktion regelmäßig überwacht werden. Cimetidin und Probenecid erhöhen die Aciclovir-Spiegel, und ähnlich können andere Arzneimittel wirken, die über die Niere aktiv ausgeschieden werden, etwa Tenofovir. Besondere Vorsicht verlangt die Fachinformation bei höheren Dosen, wie sie bei der Gürtelrose verwendet werden.

In der Schwangerschaft soll Valaciclovir laut Fachinformation nur angewendet werden, wenn der mögliche Nutzen die Risiken überwiegt. Daten aus Schwangerschaftsregistern zu 111 Schwangerschaften mit Valaciclovir und 1246 mit Aciclovir deuten nicht auf Fehlbildungen hin. Bei einem Genitalherpes in der Schwangerschaft rät das Gesundheitsportal zur frauenärztlichen Betreuung, weil das Virus bei der Geburt auf das Kind übertragen werden kann, vor allem bei einer Ansteckung oder einem Ausbruch gegen Ende der Schwangerschaft; ob ein Virustatikum eingesetzt wird, wird individuell entschieden. In der Stillzeit tritt Aciclovir in die Muttermilch über; eine Wirkung auf das Kind wird bei üblichen Dosen nicht erwartet, die Anwendung soll aber mit Vorsicht und nur bei klarer Indikation erfolgen.

Rezeptpflicht und Rezept online anfragen

In Österreich sind alle Präparate mit Valaciclovir rezeptpflichtig, etwa Valtrex, Viropel, Valdacir und Generika verschiedener Hersteller mit 500 oder 1000 mg. Für sie ist die wiederholte Abgabe verboten: Nach § 4 Abs. 2 Rezeptpflichtgesetz werden sie auf ein Rezept nur einmal abgegeben, außer der Arzt ordnet die wiederholte Abgabe ausdrücklich an; ohne diesen Vermerk braucht es für jede weitere Packung ein neues Rezept. Rezeptpflichtige Arzneimittel dürfen nicht im Fernabsatz abgegeben werden (§ 59 Abs. 8 und 9 Arzneimittelgesetz).

Am besten geeignet für eine Anfrage über die Seite Rezept online ist ein Herpes, der bereits ärztlich festgestellt wurde und wiederkehrt, etwa für die nächste Episode oder die Fortführung einer Dauertherapie. Im Fragebogen beschreiben Sie, wo und wie oft die Ausbrüche auftreten, wie sie bisher behandelt wurden, Ihre Nierenwerte, falls bekannt, eine mögliche Schwangerschaft und alle Arzneimittel. Die Angaben beurteilt lek. Damian Wojno (Approbation Nr. 3211301), schriftlich und ohne Video, Telefonat oder Live-Chat; eine Bearbeitungsdauer sagen wir nicht zu. Bei einem ersten Genitalherpes, bei Bläschen am Auge oder in Augennähe, bei geschwächter Immunabwehr und in der Schwangerschaft entscheidet der Arzt im Einzelfall, ob eine Verordnung möglich ist oder eine Untersuchung in einer Ordination nötig ist.

Ein Anspruch auf ein Rezept besteht nicht. Ihr Honorar gilt der ärztlichen Durchsicht Ihrer Angaben und nicht einem fertigen Rezept; gibt es medizinische oder rechtliche Gründe für ein Nein, überweisen wir es zurück. Für angeforderte Unterlagen haben Sie mindestens 7 Tage Zeit und erhalten eine Erinnerung, auf Ihren Wunsch kann die Frist verlängert werden; lässt sich die Beurteilung dennoch nicht abschließen, schließen wir die Anfrage und erstatten das Honorar vollständig. Hält der Arzt die Verordnung für vertretbar, bekommen Sie ein Privatrezept als PDF zugeschickt. Ob eine Apotheke es einlöst, entscheidet die Apothekerin oder der Apotheker im Einzelfall; die erste Abgabe muss nach § 4 Abs. 1 Rezeptpflichtgesetz spätestens einen Monat nach dem Ausstellungsdatum erfolgen. Das Arzneimittel bezahlen Sie selbst, versendet wird es von uns nicht.

Ist Valaciclovir rezeptfrei?

Nein. Alle Präparate mit Valaciclovir sind in Österreich rezeptpflichtig, ebenso Aciclovir-Tabletten zum Schlucken. Ohne Rezept gibt es gegen Lippenherpes je nach Präparat Mittel zum Auftragen, etwa die Fieberblasencremes Aciclostad oder Aciclobene ratiopharm; andere Aciclovir-Cremes wie Zovirax 5 % Creme sind rezeptpflichtig.

Wie nimmt man Valaciclovir bei Lippenherpes?

Nach dem 1-Tages-Schema der Fachinformation zweimal 2000 mg an einem Tag, die zweite Dosis etwa zwölf Stunden nach der ersten und nicht früher als sechs Stunden danach. Begonnen wird bei den ersten Anzeichen wie Kribbeln oder Brennen; bei eingeschränkter Nierenfunktion wird die Dosis verringert.

Wie lange dauert die Behandlung bei Genitalherpes?

Bei einem Rückfall laut Fachinformation drei bis fünf Tage mit zweimal täglich 500 mg, bei einer schweren Erstinfektion bis zu zehn Tage. Der erste Ausbruch gehört in eine ärztliche Untersuchung, weil die Diagnose mit einem Abstrich gesichert wird.

Kann man Valaciclovir dauerhaft einnehmen?

Ja, bei häufigen Rückfällen als vorbeugende Dauertherapie, üblicherweise mit einmal täglich 500 mg. Laut Fachinformation wird die Behandlung nach sechs bis zwölf Monaten neu beurteilt. Achten Sie auf ausreichendes Trinken und nennen Sie Ihrem Arzt alle übrigen Arzneimittel.

Ist Valaciclovir besser als Aciclovir?

Beide wirken als Aciclovir. Valaciclovir wird besser aufgenommen und deshalb seltener eingenommen: zweimal statt fünfmal täglich bei der Behandlung, einmal statt zwei- bis viermal täglich bei der Dauertherapie. Welche Variante passt, entscheidet der Arzt nach Verlauf, Nierenfunktion und Begleitmedikation.

Schützt Valaciclovir den Partner vor einer Ansteckung?

Es senkt das Risiko, beseitigt es aber nicht. In einer in der Fachinformation beschriebenen Studie verringerte die Dauertherapie zusammen mit geschütztem Geschlechtsverkehr symptomatische HSV-2-Ansteckungen deutlich. Bei Beschwerden verzichten Sie laut Fachinformation auf Geschlechtsverkehr, auch wenn die Behandlung schon begonnen hat; zusätzlich zur Therapie wird Safer Sex empfohlen. Kondome verringern das Risiko laut Gesundheitsportal deutlich, schließen es aber nicht ganz aus.