Allergie und Heuschnupfen: Medikamente, Rezept und Ablauf
Viele Allergie-Tabletten sind in Österreich rezeptfrei; für sie brauchen Sie weder ein Rezept noch eine ärztliche Beurteilung gegen Honorar. Rezeptpflichtig sind dagegen alle Nasensprays mit Kortison und einige Antihistaminika. Diese Seite ordnet ein, was die Apotheke ohne Rezept abgibt, wann eine Verordnung sinnvoll ist, wie eine Online-Anfrage für ein bekanntes Präparat abläuft und wann eine Allergie in eine Ordination gehört.
Rezeptfrei oder rezeptpflichtig: der Überblick
In Österreich hängt der Rezeptstatus nicht am Wirkstoff, sondern am einzelnen Präparat. Derselbe Wirkstoff kann unter einem Namen rezeptfrei und unter einem anderen rezeptpflichtig sein, manchmal sogar unter demselben Namen je nach Darreichungsform: Vividrin Azelastin ist als Nasenspray rezeptfrei, als Augentropfen rezeptpflichtig. Die Tabelle zeigt Beispiele aus dem Arzneispezialitätenregister des BASG; welche Packung Ihre Apotheke vorrätig hat, kann davon abweichen.
| Gruppe | Rezeptfrei (Beispiele) | Rezeptpflichtig (Beispiele) |
|---|---|---|
| Antihistaminika als Tabletten | mehrere Präparate mit Cetirizin, Levocetirizin, Loratadin oder Desloratadin, außerdem Olisir (Bilastin) und Allegra (Fexofenadin) | Aerius (Desloratadin), Zyrtec (Cetirizin), Xyzall (Levocetirizin), Rupafin (Rupatadin) |
| Kortison-Nasensprays | keines: alle im Register geführten Präparate sind rezeptpflichtig | Nasonex aquosum (Mometason), Avamys und Flixonase aquosum (Fluticason), Dymista (Azelastin mit Fluticason) |
| Antihistaminika als Nasenspray | Allergospray und Vividrin Azelastin (Azelastin), Livostin (Levocabastin) | Allergodil (Azelastin) |
| Cromoglicinsäure | Allergocrom Nasenspray, Allergo-Comod Augentropfen | Lomusol Nasenspray und Augentropfen |
| Augentropfen mit Antihistaminikum | Livostin, Azelastin COMOD, Olisir | Opatanol (Olopatadin), Zaditen (Ketotifen), Allergodil und Vividrin Azelastin (Azelastin) |
Wann rezeptfreie Mittel genügen
Als erste Wahl nennt das Gesundheitsportal moderne Antihistaminika und Kortison-Nasensprays; Kortison kommt dabei vor allem bei mittleren bis starken Beschwerden zum Einsatz. Bei leichteren Beschwerden stehen daher moderne Antihistaminika im Vordergrund, die laut Gesundheitsportal weniger müde machen als ältere Wirkstoffe. Dazu kommen einfache Maßnahmen wie Pollen meiden und Nasenspülungen mit Kochsalzlösung. Zurückhaltung ist bei rein abschwellenden Nasentropfen geboten: Bei einer Pollenallergie können sie noch früher als bei einer Erkältung zu Gewöhnung und Abhängigkeit führen.
Für ein rezeptfreies Präparat brauchen Sie kein Rezept und keine ärztliche Beurteilung gegen Honorar; die Apotheke berät zu Auswahl, Dosierung und Wechselwirkungen. Ein Beispiel ist Cetirizin: Mehrere Präparate mit diesem Wirkstoff sind in Österreich ohne Rezept erhältlich. Welche Mittel gegen Heuschnupfen helfen und wann welche Pollen fliegen, beschreibt der Ratgeber Heuschnupfen.
Wann ein Rezept sinnvoll ist
Ein Rezept brauchen Sie in Österreich vor allem für Nasensprays mit Kortison. Das Gesundheitsportal nennt sie zusammen mit modernen Antihistaminika als erste Wahl der Behandlung. Sie wirken nur bei regelmäßiger Anwendung voll: Bei Nasonex aquosum kann der volle Nutzen laut Fachinformation länger als zwei Tage auf sich warten lassen, und bei mäßigen bis schweren Beschwerden kann es nötig sein, einige Tage vor der erwarteten Pollensaison zu beginnen.
Dymista kombiniert das Antihistaminikum Azelastin mit Fluticason und ist laut Fachinformation für mittelschwere bis schwere allergische Rhinitis vorgesehen, wenn ein Nasenspray mit nur einem dieser Wirkstoffe nicht ausreicht. Rezeptpflichtig sind außerdem einige Antihistaminika wie Aerius oder Rupafin sowie Augentropfen wie Opatanol oder Zaditen. Wer ein solches Präparat aus einer früheren Saison kennt und gut vertragen hat, ist der typische Fall für eine Verordnung nach ärztlicher Beurteilung.
Montelukast gehört dagegen zur Asthmabehandlung. Laut Fachinformation kann es bei Menschen, bei denen es für das Asthma angezeigt ist, auch die Beschwerden des Heuschnupfens lindern; als eigenständiges Mittel gegen Heuschnupfen ist es nicht zugelassen. Asthma gehört in die Betreuung einer Ordination.
Rezept online anfragen: so läuft es ab
Für ein rezeptpflichtiges Allergie-Präparat, das Sie bereits kennen, können Sie eine Verordnung online anfragen. Die Beurteilung erfolgt schriftlich über einen medizinischen Fragebogen; ein Video, ein Telefonat oder einen Live-Chat gibt es nicht, und einen Termin brauchen Sie nicht. Der Ablauf in vier Schritten:
- Leistung wählen und den Fragebogen ausfüllen: gewünschtes Präparat mit Stärke, Beschwerden, bisherige Behandlung, Vorerkrankungen und weitere Arzneimittel.
- Das Honorar online bezahlen. Der Betrag gilt für die ärztliche Beurteilung, nicht für ein Arzneimittel; Arzneimittel verkaufen wir nicht.
- Der Arzt prüft Ihre Angaben. Fehlen Unterlagen, etwa ein früherer Allergiebefund, fordert er sie über die Plattform an, oder er empfiehlt eine Untersuchung in einer Ordination.
- Bei positiver Beurteilung erhalten Sie ein Privatrezept als PDF per E-Mail und legen den Ausdruck in einer Apotheke vor.
Voraussetzungen und Grenzen
Am einfachsten ist die Verordnung eines Präparats, das Sie bereits anwenden. Ein neues Präparat ist möglich, wenn sich aus dem Fragebogen eine klare Indikation ergibt. Was nur mit einer Untersuchung geklärt werden kann, gehört in eine Ordination, und einen Anspruch auf ein Rezept gibt es nicht. Die Anfrage stellen volljährige Personen für sich selbst. In diesen Situationen ist eine Untersuchung vor Ort meist sinnvoll, und der Arzt kann die Anfrage im Einzelfall an eine Ordination verweisen:
- allergische Beschwerden, die zum ersten Mal auftreten und deren Auslöser unbekannt ist; die Diagnose stützt sich auf Krankengeschichte, Hauttest und gegebenenfalls einen Bluttest
- Husten, pfeifende Atmung oder Atemnot in der Pollenzeit, weil sich aus einem allergischen Schnupfen ein Asthma entwickeln kann
- Beschwerden, die trotz Behandlung zunehmen oder über das ganze Jahr bestehen
- eine Schwangerschaft oder Stillzeit, wenn ein neues Präparat begonnen werden soll
- der Wunsch nach einer Hyposensibilisierung, die in allergologische Betreuung gehört
Rezept in der Apotheke einlösen
Das Privatrezept kommt als PDF per E-Mail; versendet wird ausschließlich das Dokument. Die Abgabe von Arzneimitteln im Fernabsatz ist nach § 59 Abs. 8 Arzneimittelgesetz verboten; die Ausnahmen in den folgenden Absätzen betreffen nur nicht rezeptpflichtige Arzneispezialitäten. Mit dem Ausdruck gehen Sie in eine Apotheke; ob sie das Rezept einlöst, entscheidet die Apothekerin oder der Apotheker.
Legen Sie das Rezept innerhalb eines Monats vor: Nach § 4 Rezeptpflichtgesetz verliert es seine Gültigkeit, wenn die erste Abgabe nicht spätestens einen Monat nach dem Ausstellungsdatum erfolgt. In Österreich wird es wie ein Privatrezept behandelt. Das Präparat bezahlen Sie selbst; eine Kostenerstattung durch den Sozialversicherungsträger ist die Ausnahme und richtet sich nach dessen Regeln, oft mit vorheriger Bewilligung.
Ihr Honorar gilt der ärztlichen Durchsicht Ihrer Angaben, ein Rezept ist damit nicht gekauft. Sagt der Arzt aus medizinischen oder rechtlichen Gründen Nein, überweisen wir Ihnen das Honorar zurück. Will der Arzt noch Unterlagen sehen, bleiben Ihnen dafür mindestens 7 Tage, wir erinnern Sie daran und verlängern die Frist, wenn Sie das möchten. Bleibt die Prüfung trotzdem offen, beenden wir die Anfrage und überweisen das komplette Honorar zurück.
Hyposensibilisierung: die Behandlung der Ursache
Tabletten und Sprays lindern Beschwerden, an der Allergie selbst ändern sie nichts. Sind die Beschwerden stärker ausgeprägt, empfiehlt die Ärztin oder der Arzt laut Gesundheitsportal meist eine allergenspezifische Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt. Dabei wird über etwa drei bis fünf Jahre eine sehr kleine Dosis des Allergieauslösers gegeben, damit das Immunsystem ihn besser toleriert. Möglich ist das für bestimmte Pollen von Bäumen, Unkräutern, Gräsern und Getreide: entweder als Schmelztablette unter der Zunge, täglich zu Hause nach einer ersten Gabe unter ärztlicher Aufsicht, oder als Spritze unter die Haut, deren Dosis gesteigert und dann in monatlichen Abständen gegeben wird.
Ansprechpartner sind auf Allergien spezialisierte fachärztliche Ordinationen, etwa für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Hautkrankheiten, Kinder- und Jugendheilkunde oder Lungenheilkunde, sowie Allergieambulatorien und Allergieambulanzen in Spitälern. Notwendige Untersuchungen und Behandlungen übernimmt der Sozialversicherungsträger über die e-card, für einzelne Leistungen kann ein Selbstbehalt anfallen.
Warnzeichen: wann eine Tablette nicht reicht
Atemnot, ein Engegefühl im Hals, eine Schwellung von Zunge oder Rachen oder Kreislaufprobleme kurz nach dem Kontakt mit einem Auslöser sind Zeichen einer schweren allergischen Reaktion. Wählen Sie dann den Notruf 144. Bei Husten, pfeifender Atmung oder Kurzatmigkeit in der Pollenzeit lassen Sie die Atemwege zeitnah in einer Ordination untersuchen. Hat keine Ordination offen, helfen die telefonische Gesundheitsberatung 1450 und der Ärztefunkdienst 141 weiter.
Medizinische Prüfung: lek. Damian Wojno, Approbation Nr. 3211301, für MEDINOW Sp. z o.o. Für Ihren konkreten Fall bleibt die ärztliche Einschätzung maßgeblich, nicht dieser Beitrag.
Welche Allergietabletten gibt es ohne Rezept?
Rezeptfrei sind in Österreich unter anderem mehrere Präparate mit Cetirizin, Levocetirizin, Loratadin oder Desloratadin sowie Olisir mit Bilastin und Allegra mit Fexofenadin. Der Status hängt vom Präparat ab: Zyrtec, Xyzall und Aerius sind rezeptpflichtig, obwohl es rezeptfreie Präparate mit demselben Wirkstoff gibt.
Gibt es Kortison-Nasenspray rezeptfrei in Österreich?
Nein. Im Arzneispezialitätenregister sind alle Nasensprays mit Mometason oder Fluticason als rezeptpflichtig geführt, ebenso Dymista. Ohne Rezept gibt es je nach Präparat Nasensprays ohne Kortison, etwa Allergospray mit Azelastin, Livostin mit Levocabastin oder Allergocrom mit Cromoglicinsäure; Allergodil und Lomusol sind dagegen rezeptpflichtig.
Ist Dymista rezeptfrei?
Nein. Dymista und die anderen Nasensprays mit der Kombination aus Azelastin und Fluticason sind in Österreich rezeptpflichtig. Laut Fachinformation ist das Spray für mittelschwere bis schwere allergische Rhinitis gedacht, wenn ein Nasenspray mit nur einem Wirkstoff nicht ausreicht.
Ist Aerius in Österreich rezeptpflichtig?
Ja, Aerius ist als Filmtablette, Schmelztablette und Lösung zum Einnehmen rezeptpflichtig. Rezeptfrei sind dagegen die 5-mg-Filmtabletten Desloratadin Genericon, Desloratadin Sandoz, Desloratadin +pharma und Desloratadine ratiopharm. Für sie brauchen Sie weder ein Rezept noch eine Online-Anfrage.
Kann ich ein Rezept für Allergie-Medikamente online bekommen?
Für rezeptpflichtige Präparate wie Kortison-Nasensprays können Sie eine ärztliche Beurteilung online anfragen; am einfachsten ist das bei einem Präparat, das Sie bereits kennen. Einen Anspruch auf ein Rezept gibt es nicht; bei erstmaligen Beschwerden ist eine Abklärung in einer Ordination meist der bessere Weg, und der Arzt kann die Anfrage dorthin verweisen.
Zahlt die Krankenkasse ein Privatrezept für Allergie-Medikamente?
In der Regel nicht. Das Präparat bezahlen Sie in der Apotheke selbst; eine Kostenerstattung durch den Sozialversicherungsträger ist die Ausnahme und richtet sich nach dessen Regeln, oft mit vorheriger Bewilligung.
Hilft Montelukast gegen Heuschnupfen?
Montelukast ist rezeptpflichtig und für die Behandlung von Asthma zugelassen. Laut Fachinformation kann es bei Menschen, bei denen es für das Asthma angezeigt ist, auch Heuschnupfen lindern; ohne Asthma ist es dafür nicht vorgesehen.
- Gesundheitsportal Österreich: Pollenallergie, Abschnitte Medikamente, Hyposensibilisierung und Ansprechstellen
- BASG/AGES Arzneispezialitätenregister: Rezeptpflichtstatus der genannten Präparate (Antihistaminika, Nasensprays, Augentropfen)
- Fachinformation Nasonex aquosum Nasenspray, Mometason (BASG, Abschnitte 4.1 bis 4.4)
- Fachinformation Dymista Nasenspray, Azelastin und Fluticason (BASG, Abschnitte 4.1 und 4.2)
- Fachinformation Singulair 10 mg Filmtabletten, Montelukast (BASG, Abschnitt 4.1)
- Rezeptpflichtgesetz, § 4: Gültigkeit von Rezepten (RIS)