Isotretinoin: Therapie bei schwerer Akne

Isotretinoin-Kapseln gehören laut Gesundheitsportal zu den wirksamsten Mitteln gegen Akne, und laut Fachinformation ist der Wirkstoff stark fruchtschädigend. Diese Seite erklärt, für wen die Behandlung zugelassen ist, wie sie abläuft, welche Nebenwirkungen und Kontrollen dazugehören und warum die Verhütung Pflicht ist. Isotretinoin verordnen wir nicht online; die Behandlung gehört in eine hautärztliche Ordination.

Für wen Isotretinoin gedacht ist

Isotretinoin ist ein Retinoid, also ein Wirkstoff aus der Verwandtschaft des Vitamin A. Zugelassen ist es laut Fachinformation für schwere Formen der Akne, etwa die knotige Akne, die Acne conglobata oder eine Akne mit der Gefahr bleibender Narben, wenn angemessene Behandlungen mit Antibiotika zum Einnehmen und mit Mitteln zum Auftragen nicht ausgereicht haben. Die Anwendung ist ab 12 Jahren vorgesehen; für eine Akne vor der Pubertät ist Isotretinoin nicht angezeigt.

Laut Gesundheitsportal kommt orales Isotretinoin bei schwerer Akne infrage, bei Akne, die auf andere Behandlungen nicht anspricht, sowie bei Akne mit schwerer Narbenbildung oder starker psychischer Belastung, und es wird in der Regel allein eingesetzt. Die Fachinformation verlangt, dass es nur von einer Ärztin oder einem Arzt mit Erfahrung in der Behandlung schwerer Akne mit Retinoiden zum Einnehmen verschrieben wird, oder unter deren Aufsicht.

Im österreichischen Arzneispezialitätenregister ist Isotretinoin ausschließlich als Kapsel zum Einnehmen eingetragen, unter anderem als Ciscutan, Isotiorga und Isotretinoin GAP; alle Präparate sind rezeptpflichtig. Eine Creme oder ein Gel mit Isotretinoin ist dort nicht eingetragen. Zum Auftragen werden bei Akne andere Retinoide verwendet, etwa Adapalen oder Tretinoin, die ebenfalls rezeptpflichtig sind; einen Überblick gibt der Ratgeber Akne.

Ablauf und Dauer der Behandlung

Die Behandlung beginnt laut Fachinformation mit 0,5 mg pro Kilogramm Körpergewicht und Tag; für die meisten Menschen liegt die Dosis zwischen 0,5 und 1,0 mg pro Kilogramm. Die Kapseln werden ein- oder zweimal täglich zu einer Mahlzeit eingenommen. Ob die Akne dauerhaft abheilt, hängt eher von der Gesamtdosis ab als von der Tagesdosis oder der Dauer; über eine Gesamtdosis von 120 bis 150 mg pro Kilogramm hinaus ist kein nennenswerter zusätzlicher Nutzen zu erwarten.

Normalerweise reichen 16 bis 24 Wochen für eine Abheilung, und bei den meisten Behandelten genügt ein einziger Behandlungszyklus. Weil sich die Haut bis zu acht Wochen nach dem Ende weiter bessern kann, wird ein zweiter Zyklus frühestens danach erwogen. Zu Beginn kann sich die Akne vorübergehend verschlechtern; das klingt laut Fachinformation meist innerhalb von sieben bis zehn Tagen ab.

Zur Behandlung gehören regelmäßige Kontrollen. Die folgende Übersicht fasst zusammen, was die Fachinformation vorsieht:

KontrolleZeitpunkt laut Fachinformation
Schwangerschaftstest bei Frauen im gebärfähigen Alterkurz vor der ersten Verordnung, frühestens einen Monat nach Beginn der Verhütung; während der Behandlung idealerweise monatlich; ein Monat nach dem Ende
Leberwertevor Beginn, einen Monat nach Beginn, danach alle drei Monate
Blutfette (nüchtern)vor Beginn, einen Monat nach Beginn, danach alle drei Monate
Verordnung bei Frauen im gebärfähigen Alteridealerweise auf 30 Tage begrenzt; Test, Rezept und Abgabe möglichst am selben Tag

Verhütung ist Pflicht: das Schwangerschaftsverhütungsprogramm

Isotretinoin ist ein starkes Teratogen: Es verursacht beim ungeborenen Kind häufig schwere und lebensbedrohliche Fehlbildungen, unter anderem des Gehirns, des Gesichts, der Ohren, der Augen und des Herzens, und erhöht das Risiko für Fehlgeburten. In der Schwangerschaft ist es deshalb streng kontraindiziert, laut Fachinformation ebenso in der Stillzeit. Frauen im gebärfähigen Alter dürfen es laut Fachinformation nur erhalten, wenn alle Bedingungen des Schwangerschaftsverhütungsprogramms erfüllt sind.

Dazu gehört eine zuverlässige, durchgehende Verhütung ab einem Monat vor Beginn, während der gesamten Behandlung und bis einen Monat nach dem Ende: mindestens eine sehr zuverlässige, von der Anwendung unabhängige Methode oder zwei sich ergänzende Methoden, deren Wirkung von der richtigen Anwendung abhängt. Das Gesundheitsportal nennt als Beispiel Pille und Kondom. Die Regeln gelten auch ohne Regelblutung und auch für Frauen, die derzeit nicht sexuell aktiv sind, außer die verschreibende Ärztin oder der verschreibende Arzt sieht zwingende Gründe, dass kein Risiko besteht. Tritt trotzdem eine Schwangerschaft ein, muss die Behandlung abgebrochen werden, und die Frau wird an eine in Teratologie erfahrene ärztliche Stelle überwiesen.

Bei Männern reicht die Menge, die über die Samenflüssigkeit übertragen wird, laut Fachinformation nicht für eine fruchtschädigende Wirkung aus. Für alle Behandelten gilt: Kapseln niemals an andere weitergeben, übrig gebliebene Kapseln in der Apotheke zurückgeben und während der Behandlung sowie einen Monat danach kein Blut spenden.

Nebenwirkungen

Am häufigsten sind Trockenheit von Haut und Schleimhäuten: trockene, entzündete Lippen, trockene Nase mit Nasenbluten und trockene, gereizte Augen. Sehr häufig sind laut Fachinformation außerdem Juckreiz, Hautentzündung, Schuppung, eine verletzlichere Haut, Gelenk-, Muskel- und Rückenschmerzen sowie Veränderungen von Blutbild, Leberwerten und Blutfetten; häufig treten Kopfschmerzen auf. Viele Nebenwirkungen hängen von der Dosis ab und klingen nach einer Anpassung oder dem Ende der Behandlung ab, manche können aber bestehen bleiben.

Zur Pflege gehören von Anfang an eine feuchtigkeitsspendende Creme und ein Lippenbalsam. Intensive Sonne und UV-Strahlen werden gemieden, bei Bedarf mit einem Sonnenschutzmittel mit mindestens Lichtschutzfaktor 15. Aggressive chemische Peelings und Laserbehandlungen der Haut sind während der Behandlung und bis fünf bis sechs Monate danach zu vermeiden, eine Haarentfernung mit Wachs während der Behandlung und mindestens sechs Monate danach. Kontaktlinsen werden mitunter schlechter vertragen, und eine Nachtblindheit kann plötzlich auftreten; Vorsicht beim Autofahren in der Dunkelheit.

Brechen Sie die Einnahme ab und holen Sie ärztliche Hilfe bei starken Kopfschmerzen mit Übelkeit, Erbrechen oder Sehstörungen, bei schwerem oder blutigem Durchfall und bei einem ausgedehnten Hautausschlag mit Blasen oder Ablösung der Haut. Laut Fachinformation können das Zeichen eines erhöhten Hirndrucks, einer Darmentzündung oder einer schweren Hautreaktion sein; auch Symptome einer Bauchspeicheldrüsenentzündung sind ein Grund zum Absetzen.

Stimmung und Psyche: Warnzeichen ernst nehmen

Unter Isotretinoin wurde über Depressionen, die Verstärkung einer bestehenden Depression, Angst, Aggressivität, Stimmungsschwankungen und psychotische Symptome berichtet, in sehr seltenen Fällen auch über Suizidgedanken, Suizidversuche und Suizide. Laut Gesundheitsportal haben Studien ein erhöhtes Risiko nicht bestätigt; die Europäische Arzneimittel-Agentur hält Warnhinweise dennoch für nötig, weil Menschen mit schweren Hauterkrankungen besonders verletzlich sein können. Die Fachinformation verlangt, alle Behandelten auf Anzeichen einer Depression zu beobachten, und hält es für hilfreich, Familie oder Freunde aufzuklären, damit eine Verschlechterung auffällt.

Sprechen Sie ungewöhnliche Stimmungsveränderungen ärztlich an, auch wenn sie Ihnen gering erscheinen. Bei Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid erreichen Sie die Telefonseelsorge rund um die Uhr und kostenlos unter 142; Kinder und Jugendliche finden Hilfe bei Rat auf Draht unter 147. Besteht akute Gefahr, rufen Sie sofort die Rettung (144) oder den Euronotruf (112).

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

Isotretinoin darf laut Fachinformation nicht angewendet werden in der Schwangerschaft und Stillzeit, bei Frauen im gebärfähigen Alter ohne Erfüllung des Schwangerschaftsverhütungsprogramms, bei Leberinsuffizienz, bei stark erhöhten Blutfettwerten, bei einem Überschuss an Vitamin A und bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder die Bestandteile, darunter Soja und Erdnuss.

Ebenfalls ausgeschlossen ist die gleichzeitige Behandlung mit Tetrazyklinen, zu denen das bei Akne häufig verwendete Doxycyclin gehört: Bei der Kombination mit Isotretinoin wurde über eine sogenannte benigne intrakranielle Hypertension berichtet, einen Anstieg des Hirndrucks. Arzneimittel mit Vitamin A sollen wegen der Gefahr eines Vitamin-A-Überschusses nicht gleichzeitig eingenommen werden, und schälende oder hornlösende Aknemittel zum Auftragen verstärken die Hautreizung.

Warum wir Isotretinoin nicht online verordnen

Isotretinoin verordnen wir nicht, auch nicht zur Fortführung einer begonnenen Behandlung. Der Grund liegt in der Fachinformation selbst: Sie verlangt eine verschreibende Ärztin oder einen verschreibenden Arzt mit Erfahrung in der Retinoid-Therapie, ärztlich überwachte Schwangerschaftstests vor Beginn und während der Behandlung mit dokumentierten Ergebnissen, regelmäßige Kontrollen von Leberwerten und Blutfetten sowie bei Frauen im gebärfähigen Alter Verordnungen, die idealerweise auf 30 Tage begrenzt sind, mit Test, Rezept und Abgabe möglichst am selben Tag. Ein Kontrolltest soll, wenn er nötig ist, am Tag der Verschreibung oder in den drei Tagen davor erfolgen, und die verschreibende Ärztin oder der verschreibende Arzt muss sicherstellen, dass die Patientin die Bedingungen des Programms verstanden hat und erfüllt. Diese Voraussetzungen lassen sich über einen Fragebogen nicht erfüllen.

Der richtige Weg ist eine hautärztliche Ordination, in der Verordnung, Schwangerschaftstests und Laborkontrollen in derselben Betreuung zusammenlaufen. Bei Rötungen mit Äderchen im Gesicht, die einer Akne ähneln, kann auch eine Rosazea dahinterstecken; mehr dazu im Ratgeber Rosacea. Einen Überblick über Hautbeschwerden mit und ohne Rezept bietet die Seite Haut.

Von Angeboten, Isotretinoin ohne ärztliche Betreuung zu kaufen, ist dringend abzuraten. Rezeptpflichtige Arzneimittel dürfen in Österreich nicht im Fernabsatz abgegeben werden (§ 59 Abs. 8 Arzneimittelgesetz), und gerade bei diesem Wirkstoff ist die Begleitung durch Tests und Kontrollen der Kern der sicheren Anwendung.

Medizinische Prüfung: lek. Damian Wojno, Approbation Nr. 3211301, für MEDINOW Sp. z o.o. Für Ihren konkreten Fall bleibt die ärztliche Einschätzung maßgeblich, nicht dieser Beitrag.

Kann ich Isotretinoin online auf Rezept bekommen?

Bei uns nicht. Die Fachinformation verlangt eine in der Retinoid-Therapie erfahrene verschreibende Person, ärztlich überwachte Schwangerschaftstests und regelmäßige Laborkontrollen. Das lässt sich über einen Fragebogen nicht leisten; wenden Sie sich an eine hautärztliche Ordination.

Gibt es Isotretinoin als Creme?

Im österreichischen Arzneispezialitätenregister ist Isotretinoin nur als Kapsel zum Einnehmen eingetragen. Das Gesundheitsportal nennt Isotretinoin zwar allgemein unter den Retinoiden zum Auftragen, ein solches Präparat ist in Österreich aber nicht eingetragen. Zum Auftragen werden bei Akne andere Retinoide wie Adapalen oder Tretinoin eingesetzt; sie sind ebenfalls rezeptpflichtig und dürfen laut EMA in der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch nicht angewendet werden.

Wie lange dauert eine Behandlung mit Isotretinoin?

Laut Fachinformation reichen normalerweise 16 bis 24 Wochen, und bei den meisten genügt ein Zyklus. Die Haut kann sich bis zu acht Wochen nach dem Ende weiter bessern, deshalb wird ein zweiter Zyklus frühestens danach erwogen.

Warum braucht man unter Isotretinoin zwei Verhütungsmethoden?

Weil der Wirkstoff schwere Fehlbildungen verursachen kann. Die Fachinformation verlangt mindestens eine sehr zuverlässige, anwendungsunabhängige Methode oder zwei sich ergänzende Methoden, ab einem Monat vor Beginn bis einen Monat nach dem Ende, begleitet von Schwangerschaftstests.

Müssen Männer unter Isotretinoin verhüten?

Für die Sicherheit eines Kindes nicht: Die über die Samenflüssigkeit übertragene Menge reicht laut Fachinformation nicht für eine fruchtschädigende Wirkung aus, und die Spermien werden nicht beeinträchtigt. Männer dürfen ihre Kapseln aber niemals weitergeben, schon gar nicht an Frauen.

Kann Isotretinoin depressiv machen?

Über Depressionen und sehr selten über Suizidgedanken wurde berichtet; Studien haben ein erhöhtes Risiko laut Gesundheitsportal nicht bestätigt, die Warnung bleibt aber bestehen. Sprechen Sie Stimmungsveränderungen ärztlich an. In einer Krise erreichen Sie die Telefonseelsorge unter 142, in akuter Gefahr die Rettung unter 144.